[401][Vor der Entscheidung]
[Bericht des Heidelberger Tageblatts]
[A(1) 5]Als erster Diskussionsredner sprach Herr Universitätsprofessor Dr. Max Weber, der sich den Ausführungen Vogels anschloß. Er unterzog besonders den Wahlspruch der Bürgervereinigung „Keine Politik aufs Rathaus“ einer kritischen Betrachtung. Parteipolitik gehöre allerdings nicht aufs Rathaus, aber Parteipolitiker.
a
Was heute erreicht würde, würde nur durch Massendisziplin erreicht, und diese Disziplin könnten nur die politischen Parteien erzielen. Redner glaubt, daß wir früher oder später allgemein das Proportionalwahlsystem bekommen werden und daß dann die denkbar straffste Parteidisziplin eintrete. Es gebe keine Stelle des öffentlichen Lebens, sich so zu blamieren, wie in der Verwaltung der Kommune. Wirklich sachliche Aufgaben könnten durch noch so große Phrasen nicht erledigt werden. Die Führer der Parteien sollten an die Spitze gestellt werden, und diese könnte man dann auch verantwortlich machen für die Fehler, die gemacht würden. Heiterkeit verursachte die Bemerkung des Redners, daß bei irgendeinem mißfallenden Bau oder etwas dergleichen dann schon im Baedeker stehen könnte: „Unter der Herrschaft dieser Partei gebaut.“ Aus all diesen angeführten Gründen hält Herr Professor Weber die Vertretung der politischen Parteien auf dem Rathaus am besten zur vernünftigen Zusammenarbeit in der Kommunalpolitik. [401]A(1): Parteipolitiker,
[402][Bericht der Heidelberger Neuesten Nachrichten]
[[A(2) 4]]In der Diskussion kam Herr Professor Dr. Max Weber auf die Frage der Beteiligung der Parteien an der Kommunalpolitik zu sprechen. Es berühre seltsam, daß die Parole „Politik gehöre nicht aufs Rathaus“ von der Partei ausgegeben werde, die sich einem
a
berufsmäßigen Agitator[402]A(2): einen
1
verschrieben habe. Ausführlich begründete Herr Prof. Weber, daß zwar nicht Parteipolitik, wohl aber Parteipolitiker auf das Rathaus gehören. Redner hält es für keinen Schaden, wenn man Partei-Gegner auf das Rathaus bringt und sie dort zwingt, gemeinsam für ihre Vaterstadt einzutreten. Es sei dies ein Mittel, gegenseitiges Verständnis und Zusammenarbeiten der politisch getrennten Elemente auf dem Boden der Kommunalpolitik zu schaffen. [402]Es ließ sich nicht ermitteln, auf wen Max Weber sich hier bezieht.