[385][Das politische Leben in Amerika]
[Bericht der Heidelberger Zeitung]
[A(1) 2]Nach einer Pause von 10 Minuten machte der Vorsitzende der Versammlung die Mitteilung, daß Prof. Max Weber zu sprechen sich bereit erklärt habe. Prof. Weber, lebhaft begrüßt, sprach in nahezu einstündiger Rede über das politische Leben in Amerika. In dieser Zeit machte er die Zuhörer mit dem Wesen und der Bedeutung der amerikanischen Demokratie, der Negerpolitik, den Wahlverhältnissen, der Autoritätslosigkeit des Amerikaners, den verschiedenen Sekten, dem Parlament und mit den Parlamentariern in ihrem Verhältnis zum Volk usw. bekannt und erntete dafür lebhaften Beifall.
[Bericht des Heidelberger Tageblatts]
[A(2) 3]In der Diskussion sprach Herr Professor M[ax] Weber über das politische Leben in Amerika, die Entwicklung der Parteiverhältnisse, das Negerproblem, das Regierungssystem, die „Amerikanisierung“ der Einwanderer durch die Demokratie, das Vereinsleben, die Arbeiterverhältnisse u[nd] a[nderes] m[ehr]. Die geistvollen, sachverständigen Ausführungen Weber’s wurden mit gespanntester Aufmerksamkeit angehört. Die Kritik der sozialen Zustände in unserem Lande
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erntete großen Beifall. [385] Daß Max Weber am Schluß seines Vortrags auf die innenpolitische Lage im Deutschen Reich zu sprechen kam, berichtet auch die „Hilfe“: „Mit einem gewaltigen Appell zu volkstümlicher und freiheitlicher Politik endete die Rede; der Riesenstreik unserer Bergarbeiter gab dem ungemein packenden Schluß den Hintergrund.“ Die Hilfe. Nationalsoziale Wochenschrift, Nr. 4 vom 29. Jan. 1905, S. 6. Zu dem Bergarbeiterausstand an der Ruhr vgl. den Editorischen Bericht zu Webers Diskussionsbeitrag im Verein für Sozialpolitik über „Das Arbeitsverhältnis in den privaten Riesenbetrieben“, oben, S. 249–259.