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MWG digital

Die digitale Max Weber-Gesamtausgabe.

[356]Editorischer Bericht

Zur Entstehung

Im Rahmen der „Kommunalenquete“
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[356] Siehe dazu den Editorischen Bericht zu „Verfassung und Verwaltungsorganisation der Städte“, oben, S. 300 f.
des Vereins für Sozialpolitik wurden auch die „Gemeindebetriebe“ behandelt.
Nachdem Carl Johannes Fuchs auf den Ausschußsitzungen am 5. Januar 1907 in Berlin
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Verein für Socialpolitik. Protokoll über die Verhandlungen des Ausschusses am 4. und 5. Januar 1907 in Berlin (Herrenhaus). – Altenburg: Pierersche Hofbuchdruckerei Stephan Geibel & Co. o. J., S. 6 f., British Library of Political and Economic Science, London School of Economics and Political Science, NI. Ignaz Jastrow, Misc. 114.
und am 29. September 1907 in Magdeburg
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Verein für Socialpolitik. Magdeburg, den 29. September bis 1. Oktober 1907. – Altenburg: Pierersche Hofbuchdruckerei Stephan Geibel & Co. o. J., S. 2 f., ebd.
über den Stand der Arbeiten referiert hatte, teilte er für die Ausschußsitzung am 12. Oktober 1908 schriftlich mit, daß die Erhebung mittlerweile fast abgeschlossen sei. Er hoffe, „sämtliche drei Bände vor der Generalversammlung im Herbst 1909 herauszubringen.“ Auch wenn dies nicht gelingen sollte, „würde doch genügend Material vorhanden sein, das Thema ,Gemeindebetriebe‘ auf der nächsten Generalversammlung zu behandeln.“ Freilich brauchte man einen geeigneten Tagungsort.“
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Verein für Socialpolitik. Sitzung des Ausschusses am Montag den 12. Oktober 1908 in Berlin, im Gebäude des Herrenhauses. – Altenburg: Pierersche Hofbuchdruckerei Stephan Geibel & Co. o. J., S. 2, ebd.
Man einigte sich schließlich auf Wien, das durch die Kommunalisierung der Verkehrsbetriebe, der Elektrizitäts- und Gaswerke sowie der Wasserversorgung auf dem Gebiet der Gemeindeeinrichtungen als besonders fortschrittlich galt und deshalb „die stärkste Anregung biete.“
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Ebd., S. 3 f.
Als Verhandlungsthemen wurden auf Vorschlag Schmollers [357]„Gemeindeunternehmungen“ und „Produktivität der Volkswirtschaft“ bestimmt.
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[357] Ebd., S. 5. Auf der Wiener Tagung von 1909 führte das letzte Thema zu heftigen Kontroversen und zum „Werturteilsstreit“ im Verein für Sozialpolitik. Die diesbezüglichen Diskussionsbeiträge Max Webers werden abgedruckt in MWG I/12.
Max Weber war diese Erhebung insofern nicht gleichgültig, als er auf der Ausschußsitzung im Januar 1907 angeregt hatte, hierbei auch „Spezialarbeiten über die kommunalen Bäckereien in italienischen Städten“ ins Auge zu fassen.
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Ausschußsitzung vom 5. Januar 1907 (wie oben, S. 356, Anm. 2), S. 7.
Offensichtlich dachte er dabei an Arbeiten von Gisela Michels-Lindner,
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Gisela Michels-Lindner hatte sich in einer Reihe kleinerer Aufsätze mit dem Problem genossenschaftlicher und städtischer Bäckereien in Italien befaßt, siehe etwa: Die Verstadtlichung der Bäckereien in Italien, in: Kommunale Praxis. Zeitschrift für Kommunalpolitik und Gemeindesozialismus, 5. Jg., Nr. 1, 1905, Sp. 7–11. Es war ursprünglich vorgesehen, daß Gisela Michels-Lindner einen Artikel über „Munizipalisation in Italien“ im AfSS veröffentlichen sollte, siehe Brief Max Webers an Gisela Michels-Lindner vom 6. Dez. 1906, MWG II/5, S. 198 f. Angesichts der dabei sich abzeichnenden Schwierigkeiten „provozierte“ Max Weber nach eigener Aussage in der Ausschußsitzung die Behandlung dieses Themas im Rahmen der „Kommunalenquete“ und wurde beauftragt, die Korrespondenz mit Gisela Michels-Lindner zu führen. Brief Max Webers an Gisela Michels-Lindner vom 30. Jan. 1907, ebd., S. 227 ff. In der Tat erschien ein entsprechender Beitrag nicht im AfSS, sondern in der Schriftenreihe des Vereins für Sozialpolitik unter dem Titel: Geschichte der modernen Gemeindebetriebe in Italien (Schriften des Vereins für Socialpolitik 130, II). – Leipzig: Duncker & Humblot 1909.
der Frau von Robert Michels.
Die Generalversammlung in Wien wurde am 27. September 1909 mit einer Würdigung des Agrarhistorikers Georg Hanssen von Georg Friedrich Knapp eröffnet.
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Verhandlungen des Vereins für Socialpolitik in Wien, 1909. I. Zum Gedächtnis an Georg Hanssen. II. Die wirtschaftlichen Unternehmungen der Gemeinden. III. Die Produktivität der Volkswirtschaft (Schriften des Vereins für Socialpolitik 132). – Leipzig: Duncker & Humblot 1910, S. 14–28. Der Anlaß war die hundertste Wiederkehr von Hanssens Geburtstag im Mai 1909.
Daran schlossen sich die Verhandlungen über „Die wirtschaftlichen Unternehmungen der Gemeinden“ an. Den Teilnehmern lagen schriftliche Ausarbeitungen der Referenten
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Die Entwicklung der Gemeindebetriebe in Deutschland und im Ausland. Materialien, zusammengestellt von Carl Johannes Fuchs, ebd., S. 29–110; Die deutschen Stadtverwaltungen als Arbeitgeber. Schriftlicher Bericht von Paul Mombert, ebd., S. 135–157; Die finanzpolitische Bedeutung der Gemeindeunternehmungen. Von Max Weiß, ebd., S. 171–174.
zu Einzelaspekten vor, die diese durch mündliche Vorträge ergänzten. Einleitend gab Carl Johannes Fuchs einen Überblick „über die Entwicklung und allgemeine Bedeutung der Gemeindebetriebe und ihr Verhältnis zu den Privatbetrieben“, wie sie sich anhand der bisher vorliegenden Ergebnisse darstellten.
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Ebd., S. 111–134.
Der zweite Referent, der Freiburger Nationalökonom Paul Mombert, sprach über den [358]eigentlichen Zweck der Erhebung, nämlich über „Die sozialpolitische Bedeutung der Gemeindeunternehmungen“.
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[358] Ebd., S. 159–169.
Ihm schloß sich als dritter Referent der Wiener Obermagistratsrat Max Weiß an.
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Ebd., S. 175–192.
In der darauffolgenden Debatte am 27. und 28. September 1909 betonten mehrere Redner die Vorzüge von kommunal betriebenen Unternehmen, so daß Alfred Weber in seinem Beitrag eine „Majorität für die Kommunalisierung“ konstatierte.
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Ebd., S. 238–248, hier S. 238.
Begründet sah er dies in dem Übergewicht der „älteren Generation“ im Verein für Sozialpolitik, die „eine natürliche Prädilektion nicht bloß für den Staat und die Staats- und Gemeindebetriebe als solche, sondern auch für den dabei in diese eingebauten […] Apparat des Bureaukratismus“ habe.
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Ebd., S. 239.
Als Repräsentant der gesamten älteren Generation erschien ihm Adolph Wagner mit seinem „Staatssozialismus“.
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Ebd., S. 241.
Alfred Weber attackierte diese Position: Kommunalisierung und Verstaatlichung führten zu einer immer größeren Abhängigkeit des einzelnen vom „bureaukratischen Apparat“ und hätten insofern auf die allgemeine Kulturentwicklung Deutschlands äußerst negative Einflüsse, als dadurch „jede selbständige geistige Regung […] weitgehend zu ersticken droht.“
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Ebd., S. 244 f.
Adolph Wagner rügte diese „das richtige Maß bei weitem überschreitenden Ausführungen des Herrn Kollegen Alfred Weber“ und verteidigte die „moderne Entwicklung in der Richtung auf öffentliche Betriebe“ als „berechtigt“, „notwendig“ und „in allen wesentlichen Punkten bewährt“.
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Ebd., S. 253–262, Zitate: S. 255 und S. 261.
Insbesondere wies er „die etwas spöttischen Bemerkungen“ Alfred Webers über das Beamtentum zurück. Gerade „dem tüchtigen bureaukratischen Beamtenapparat“ hätten die „modernen deutschen Staaten“ ihre politische Bedeutung zu verdanken.
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Ebd., S. 260.
Max Weber trat daraufhin „für die Auffassung seines Bruders mit großer Energie“ ein.
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Boese, Franz, Geschichte des Vereins für Sozialpolitik 1872–1932 (Schriften des Vereins für Sozialpolitik 188). – Berlin: Duncker & Humblot 1939, S. 133.

[359]Zur Überlieferung und Edition

Ein Manuskript ist nicht überliefert. Der Abdruck folgt den stenographischen Protokollen: Verhandlungen des Vereins für Socialpolitik in Wien, 1909. I. Zum Gedächtnis an Georg Hanssen. II. Die wirtschaftlichen Unternehmungen der Gemeinden. III. Die Produktivität der Volkswirtschaft (Schriften des Vereins für Socialpolitik 132: Verhandlungen der Generalversammlung in Wien, 27., 28. und 29. September 1909). – Leipzig: Duncker & Humblot 1910 (A). Die Verhandlungen über „Die wirtschaftlichen Unternehmungen der Gemeinden“ finden sich auf den Seiten 29–325, der Diskussionsbeitrag Max Webers ist dort auf den Seiten 282–287 abgedruckt. Er ist eingeleitet mit: „Professor Dr. Max Weber – Heidelberg“.
Erwähnt sei noch ein Zwischenruf Max Webers beim Diskussionsbeitrag Alfred Webers. Dieser hatte im Zusammenhang seiner Bürokratiekritik von der zunehmenden Herrschaft sog. „Papachen- und Mamachen-Existenzen“ gesprochen, die das geistige Klima vergifteten. Bei dem Satz: „Ich habe die Empfindung, daß ein großer Teil von Ihnen mich dabei vielleicht für einen verirrten…“ unterbrach ihn Max Weber mit dem Zuruf: „Junggesellen!“, was laut Protokoll „große Heiterkeit“ hervorrief.
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[359] Verhandlungen, S. 245.