[316]Editorischer Bericht
Zur Entstehung
Im Herbst 1907 erschütterte eine schwere Wirtschaftskrise die Vereinigten Staaten.
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Der Zusammenbruch eines angesehenen Wirtschaftsunternehmens hatte eine Panik ausgelöst, die einen „run“ auf die Banken und damit eine empfindliche Geldknappheit zur Folge hatte. Die Krise weitete sich rasch auf den internationalen Geldmarkt aus, weil die amerikanische Regierung Maßnahmen ergriff, um Gold von allen Seiten – vor allem aus Europa – heranzuziehen und somit die Basis des Notenumlaufs zu verbreitern. Wie die anderen europäischen Notenbanken auch versuchte die deutsche Reichsbank, den beträchtlichen Goldabfluß mit einer mehrmaligen erheblichen Erhöhung des Diskontsatzes zu begrenzen.[316] Vgl. Friedman, Milton und Jacobson Schwartz, Anna, A Monetary History of the United States 1867–1960, 3. Aufl. – Princeton: Princeton University Press 1966, S. 156–173, sowie Geisler, Rudolf P., Notenbankverfassung und Notenbankentwicklung in USA und Westdeutschland. Eine vergleichende Untersuchung unter besonderer Berücksichtigung des Problems der Zentralisation und Dezentralisation und des Verhältnisses von Staat und Notenbank. – Berlin: Duncker & Humblot 1953.
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Vgl. hierzu: Die Reichsbank 1901–1925. – Berlin: Druckerei der Reichsbank 1925, S. 17 ff.
Die Auswirkungen der amerikanischen Geldkrise auf Europa lösten unter Fachleuten eine lebhafte Diskussion über deren Ursache und damit über das Finanzwesen der Vereinigten Staaten aus. Die Hauptursache für die Störungen des Geldmarktes sah man darin, daß es in den USA keine zentrale Notenbank gab und die Notenausgabe keiner einheitlichen Lenkung unterlag, wodurch auf die Nachfrage nach Zahlungsmitteln nicht flexibel reagiert werden konnte.
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Vgl. dazu etwa Hasenkamp, Adolf, Die wirtschaftliche Krisis des Jahres 1907 in den Vereinigten Staaten von Amerika. – Jena: Gustav Fischer 1908, sowie Lie, Hermann, Bankreform und Zentralbankproblem in Amerika, in: Jahrbücher für Nationalökonomie und Statistik, hg. von Johannes Conrad u. a., 3. Folge, Band 40, 1910, S. 179–199.
[317]Einer der ersten, die sich mit diesem Thema auseinandersetzten, war der Bonner Staatswissenschaftler Hermann Schumacher.
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Er hielt am 18. Februar 1908 in der Gehe-Stiftung zu Dresden einen Vortrag über „Die Ursachen der Geldkrisis“, den er kurz darauf, am 15. Mai 1908, in der Schriftenreihe der Gehe-Stiftung „Neue Zeit- und Streitfragen“ veröffentlichte.[317] Schumacher hatte im Wintersemester 1906/07 eine Gastprofessur an der Columbia University innegehabt.
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Schumachers Ausführungen wurden kontrovers diskutiert und rezensiert. Schumacher, Hermann, Die Ursachen der Geldkrisis. Vortrag, gehalten in der Gehe-Stiftung zu Dresden am 18. Februar 1908 (Neue Zeit- und Streitfragen, 5. Jg., Heft 6 und 7). – Dresden: v. Zahn & Jaensch 1908.
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Im Rahmen dieser Diskussion verfaßte Max Weber die im folgenden abgedruckte Rezension, die, mit „(W.)“ signiert, im September-Heft des Archivs für Sozialwissenschaft und Sozialpolitik erschien. Siehe u. a. Liefmann, Robert, [Rezension von:] Hermann Schumacher, Die Ursachen der Geldkrisis, in: Zeitschrift für Socialwissenschaft, hg. von Julius Wolf, 11. Jg., 1908, S. 584–586; Plenge, Johann, [Rezension von:] Schumacher. Prof. Dr. Hermann, Die Ursachen der Geldkrisis, in: Zeitschrift für die gesamte Staatswissenschaft, hg. von Karl Bücher, 64. Jg., 1908, S. 562–567, sowie Hasenkamp, Krisis, S. 7, 51 und 92.
Zur Überlieferung und Edition
Ein Manuskript ist nicht überliefert. Der Abdruck folgt dem Text, der im Archiv für Soziatwissenschaft und Sozialpolitik, hg. von Werner Sombart, Max Weber und Edgar Jaffé, Band 27, Heft 2, 1908, S. 597–598, in der Rubrik „Literatur-Anzeiger“ erschien (A). Die Rezension ist mit „(W.)“ gezeichnet. Die Autorschaft Max Webers ergibt sich aus der Mitteilung Edgar Jaffés an den Verleger Paul Siebeck vom 10. September 1908, er schicke ihm „3 Korrekturen (Max Weber), die im Literatur-Anzeiger von XXVII,2 noch zu berücksichtigen“ seien.
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Brief Edgar Jaffés an Paul Siebeck vom 10. Sept. 1908, VA Mohr/Siebeck, Tübingen, Nr. 248. Es handelt sich dabei eindeutig um die Rezensionen der Schriften von Hermann Schumacher. Erich Kaufmann, Auswärtige Gewalt und Kolonialgewalt (in diesem Band abgedruckt, unten, S. 323–326), sowie von Christian von Ehrenfels, Sexualethik (Grenzfragen des Nerven- und Seelenlebens, Heft 56). – Wiesbaden: J. F. Bergmann 1907 (MWG I/12).