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Die digitale Max Weber-Gesamtausgabe.

[433]Editorischer Bericht

Zur Entstehung

Seit Ende des 19. Jahrhunderts gab es Pläne, die Wasserkräfte des Oberrheins zwischen Bodensee und Basel in Höhe der Gemeinde Laufenburg zur Energiegewinnung zu nutzen. Das starke Gefälle auf dieser Strecke war sehr günstig für ein Wasserkraftwerk.
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[433] Vgl. dazu und zum Folgenden Linse, Ulrich, „Der Raub des Rheingoldes“: Das Wasserkraftwerk Laufenburg, in: Von der Bittschrift zur Platzbesetzung. Konflikte um technische Großprojekte, hg. von Ulrich Linse, Reinhard Falter, Dieter Rucht und Winfried Kretschmer. – Berlin/Bonn: J.H.W. Dietz Nachf. 1988, S. 11–62.
Aufgrund der Grenzlage der Gemeinden Laufenburg und Klein-Laufenburg waren für das Genehmigungsverfahren schweizerische und badische Behörden zuständig.
Das Projekt machte erhebliche Eingriffe in die Natur nötig. So wollte man den Wasserspiegel erhöhen und Felsen im Flußbett sprengen. Das badische Innenministerium etwa beschrieb die Konsequenzen für das Landschaftsbild folgendermaßen: „Nach dem maßgebenden letzten Entwurf soll in der Tat im sog. Schäffigen unterhalb der ,Enge‘ quer durch den Rhein ein hohes Standwehr aufgeführt werden, wodurch der Fluß aufgestaut und an Stelle der jetzigen Wasserfälle – des sog. Lauffen – ein ruhig fließendes, seeartig sich ausdehnendes Wasserbecken treten wird. Das Charakteristische des Bildes, – das durch eine Felsenenge sich hindurch drängende, in einer Reihe von Katarakten über große Granitblöcke und Gletschermühlen unter Tosen und Brausen wild abstürzende Wasser – wird […] verloren gehen.“
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Bericht des Ministeriums des Innern an Seine Königliche Hoheit den Großherzog vom 12. Febr. 1905 „Die Wasserkraftanlage bei Laufenburg, hier: die Beeinflussung des landschaftlichen Bildes von Laufenburg betreffend.“ GLA Karlsruhe, Großherzogliches Geheimes Kabinett, 60/619.
Die geplante Zerstörung der wegen ihrer Schönheit gepriesenen „Laufenburger Stromschnellen“ führte zu heftigen Reaktionen vor allem bei der „Heimatschutzbewegung“. Diese hatte gegen Ende des 19. Jahrhunderts insbesondere im Bildungsbürgertum immer mehr Anhänger gewonnen. Die Vorstellungen reichten von rigider Fortschrittsfeindlichkeit bis zur Versöh[434]nung von ökonomischen und ökologischen Interessen.
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[434] Andersen, Arne, Heimatschutz: Die bürgerliche Naturschutzbewegung, in: Besiegte Natur. Geschichte der Umwelt im 19. und 20. Jahrhundert, hg. von Franz-Josef Brüggemeier und Thomas Rommelspacher. – München: C. H. Beck 1987, S. 143–157.
Nachdem sich die Naturschützer 1904 mit der Gründung des „Bundes Heimatschutz“ einen organisatorischen Rahmen gegeben hatten, beteiligten sie sich mit erheblichem Aufwand an der Agitation gegen den Bau des Laufenburger Wasserkraftwerks.
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Ebd., S. 148 ff.
In vorderster Front standen dabei der Architekt Paul Schultze-Naumburg sowie der Freiburger Professor für Nationalökonomie Carl Johannes Fuchs. Dieser hatte anläßlich der Gründung des Bundes dessen Ziele als „keineswegs rückschrittlich, reaktionär oder romantisch“ bezeichnet. Vielmehr gehe es darum, „nicht unnötig die Schönheiten unserer Heimat“ zu zerstören.
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Fuchs, Carl Johannes, Heimatschutz und Volkswirtschaft, in: Der Kunstwart. Halbmonatsschau über Dichtung, Theater, Musik, bildende und angewandte Künste, 17. Jg., Juni 1904, S. 210–212, hier S. 212.
Fuchs wurde zum Leiter einer Fachgruppe bestimmt, die später die Bezeichnung „Schutz des Landschaftsbildes“ erhielt. In dieser Funktion wurde er zum „Mittelpunkt der heimatschützerischen Aktivitäten gegen das Kraftwerk Laufenburg“.
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Linse, „Der Raub des Rheingoldes“, S. 23.
In einer Eingabe an den Großherzog von Baden vom 2. November 1904 äußerte der Bund „die ehrerbietigste Bitte, das bei Laufenburg geplante Kraftübertragungswerk nicht in der projektierten Form zu genehmigen“.
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GLA Karlsruhe, Großherzogtum Baden. Ministerium des Innern. Generalia. Wasserbau (Schweiz). Die Erstellung einer Wasserwerksanlage bei Laufenburg, 1903/1904, 237/30 714. Eine gleichlautende Eingabe hatte der Bund bereits am 25. Oktober 1904 an das badische Innenministerium gerichtet, ebd.
Parallel dazu initiierte Fuchs eine Öffentlichkeitskampagne. Analog zu Vorschlägen in der Eingabe regte er in Presseartikeln an, die Stromschnellen dadurch zu retten, daß der „Bund Heimatschutz“ die Mittel für ein Gutachten oder ein Preisausschreiben aufbringe, um eine Durchführung des Projekts ohne Vernichtung der bestehenden Naturschönheiten zu ermöglichen.
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Fuchs, Carl Johannes, Laufenburg, in: Der Tag, Nr. 529 vom 10. Nov. 1904, S. 1–3, wiederabgedruckt in: Mitteilungen des Bundes Heimatschutz, 1. Jg., Dez. 1904, S. 49–55.
Da die badischen Behörden auf die Vorstellungen des Bundes nicht reagierten, leitete Fuchs im Februar 1905 eine zweite Phase der Mobilisierung der Öffentlichkeit ein. Diese Aktion war wohl mit anderen Organisationen, z. B. mit dem „Dürerbund“, abgestimmt.
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Der „Dürerbund“, ein Zusammenschluß des reformerisch eingestellten Bildungsbürgertums, startete ebenfalls eine publizistische Kampagne gegen die Zerstörung der Laufenburger Stromschnellen. So erschien im „Dürerblatt“, 7. BI., März 1905, S. 85–92, [435]ein Artikel „Die Laufenburger Stromschnellen“. Parallel dazu richtete der Vorsitzende des „Dürerbundes“, Ferdinand Avenarius, im März 1905 eine Eingabe an den Großherzog von Baden. Vgl. dazu Linse, „Der Raub des Rheingoldes“, S. 27 f.
Fuchs kam in einem Artikel in der [435]Straßburger Post zu dem Schluß, daß „nur noch der eine Weg übrig“ bleibe, „die öffentliche Meinung, nicht nur in Baden, […] sondern in ganz Deutschland, ja in der ganzen gebildeten Welt […] zu einem lauten Protest“ wachzurufen.
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Fuchs, Carl Johannes, Laufenburg, in: Straßburger Post, Nr. 171 vom 16. Febr. 1905, 1. Mo.Bl., S. 1. Siehe dazu die Sammlung der Presseartikel im GLA Karlsruhe, Großherzogtum Baden. Ministerium des Innern. Generalia. Wasserbau (Schweiz). Die Erstellung einer Wasserkraftanlage im Rhein bei Laufenburg, 1905, 237/30 715.
Zu diesem Zwecke brachte der Bund einen „Aufruf gegen die Zerstörung der Laufenburger Stromschnellen“ in Umlauf, der sich in seinen wesentlichen Passagen eng an die Eingabe vom 2. November 1904 anlehnte. Einer der frühesten Abdrucke dieses Aufrufs findet sich im Freiburger Boten vom 10. März 1905. Aus den „zahlreichen Unterschriften“ wurden rund 40 Namen abgedruckt, der von Max Weber allerdings nicht.
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Freiburger Bote, Nr. 57 vom 10. März 1905, S. 2.
Zum ersten Mal taucht sein Name im letzten Teil der Artikelfolge „Die Laufenburger Stromschnellen“ in der Konstanzer Zeitung vom 1. April 1905 auf. Dort berichtete der Geschäftsführer des Bundes, Robert Mielke, daß der „Appell an die Öffentlichkeit […] in wenigen Tagen über 100 Unterschriften erhalten“ habe, „darunter die besten Namen des künstlerischen und geistigen Deutschland […] und vor allem auch, was besonders wichtig ist, 10 Professoren der Nationalökonomie in Deutschland und der Schweiz: Fuchs, Herkner, Schmöle, v. Schulze-Gävernitz, Sering, Sieveking, Sombart, Troeltsch, Adolf Wagner und Max Weber.“
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Konstanzer Zeitung, Nr. 91 vom 1. April 1905, S. 1.
Im Mai-Heft der „Mitteilungen des Bundes Heimatschutz“ erschien der Aufruf noch einmal, und unter den Unterzeichnern findet sich auch der Name Max Webers. Obwohl nicht genügend Unterschriften eingegangen waren, um „von einer großen Volksbewegung“ zu sprechen, wollte man doch deutlich machen, „daß eine Vernichtung der Schnellen jedenfalls mit tiefer Erbitterung im Reiche und der Schweiz aufgenommen werden würde.“
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Mitteilungen des Bundes Heimatschutz, 1. Jg., Mai 1905, S. 130–133, hier S. 130 f.
Zu diesem Zeitpunkt war dem „Bund Heimatschutz“ augenscheinlich noch nicht bekannt, daß die badischen Behörden seine Eingabe ablehnend beschieden hatten.
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So heißt es in den einleitenden Bemerkungen, daß „auf die Eingabe des Bundes […] eine Antwort noch nicht erfolgt“ sei, ebd., S. 130. Die Stellungnahme des badischen Innenministeriums vom 7. April 1905 befindet sich im GLA Karlsruhe, Großherzogtum Baden. Ministerium des Innern, 237/30 715.
Auf die Nachricht reagierte er mit einer zweiten Eingabe an das badische Innenministerium, in der er sich wiederum für die [436]Erhaltung der „einzigartigen Schönheitswerte“ einsetzte und zudem Alternativprojekte zur Diskussion stellte.
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[436] GLA Karlsruhe, Großherzogtum Baden. Ministerium des Innern, 237/30 715. Die Eingabe ist undatiert, trägt aber den Eingangsstempel vom 26. Mai 1905.
In der Eingabe wurde explizit „auf die Unterschriften unseres Aufrufs“ verwiesen. Insbesondere durch den mit „Nachdruck erhobenen Widerspruch“ gegen die Zerstörung der Laufenburger Stromschnellen „aus den besten Kreisen der Deutschen Nation“ sei „ein ganz neues Moment geschaffen worden […], das die beteiligten Regierungen der beiden Länder vor eine neue Sachlage stellt.“ Zur Bekräftigung legte man eine maschinenschriftliche Liste der Unterzeichner bei. Sie umfaßt rund 150 Namen, darunter auch den Max Webers.
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Ebd.
Freilich blieb auch diese Aktion ohne Erfolg. Zwar zog sich das Genehmigungsverfahren, vor allem die parlamentarische Beratung, bis August 1906 hin, doch waren die Laufenburger Stromschnellen nicht zu retten. 1908/09 wurde bei Laufenburg die größte Baustelle Europas eingerichtet: Man sprengte über 300.000 m3 Fels und staute den Rhein über mehrere Kilometer oberhalb Laufenburgs.
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Vgl. Linse, „Der Raub des Rheingoldes“, S. 19.

Zur Überlieferung und Edition

Der Aufruf gegen die Zerstörung der Laufenburger Stromschnellen ist in mehreren Zeitungen und Zeitschriften veröffentlicht worden. Der Abdruck folgt dem Text, wie er in den Mitteilungen des Bundes Heimatschutz unter der Überschrift „Aufruf des Bundes Heimatschutz gegen die Zerstörung der Laufenburger Stromschnellen“, 1. Jg., Nr. 8, Mai 1905, S. 131–133, erschienen ist (A). An hervorgehobener Stelle zeichneten für den „Bund Heimatschutz“ Paul Schultze-Naumburg als Vorsitzender und Carl Johannes Fuchs als Leiter der Gruppe „Schutz des Landschaftsbildes“, für den „Dürerbund“ dessen Vorsitzender Ferdinand Avenarius.